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Zeit-Fragen

4. Pro und Contra Geschwindigkeit


Was ist das richtige Tempo? Druck machen oder Leine lassen? In dieser Frage zeigten sich zwei Fraktionen: Die einen plädierten für Verlangsamung, eine zweite Gruppe dagegen wies auf die Gefahren einer Verlangsamung von Entwicklungs- und Modernisierungsprozessen hin.

Auf der einen Seite wurde argumentiert, Planung unter Zeitdruck führe zu aufgesetzten Lösungen. Diese, klagt Prälat Valentin Doering von der Hanns-Seidel-Stiftung, blendeten Komplexität aus und hätten bloß eine Alibifunktion. Die Korrektur von Fehlentwicklungen infolge voreiliger Schnellschüsse kann aber später weit teurer werden als eine Investition in eine ausreichende Bedenkzeit. Mehr Zeit wurde auch für die Umsetzung gefordert. Gerade das wichtigste Kapital der Zusammenarbeit, Vertrauen, wachse nicht über Nacht. Ownership braucht Zeit.

Reinhard Hermle (VENRO, Misereor) fasst die praktische Erfahrung der EZ zusammen: Entwicklung dauert immer länger, als man vorher dachte.

Gleichzeitig – darauf wies eine große Zahl der Befragten hin – sind Fristen als Druckmittel für Veränderung nötig. Erst unter Druck werden Ressourcen in den Partnerländern freigegeben. Dies wird auch von den Partnern wahrgenommen. Hans-Peter Schipulle (BMZ) berichtet von einem Gespräch mit dem südafrikanischen Minister für Wasserangelegenheiten, der berichtete, erst Zeitziele hätten zu einer erfolgreichen Dynamik geführt: »Ohne diesen Zeitdruck hätte uns der Drive gefehlt, die gesteckten Ziele zu erreichen.«

Offene Prozesse ohne Zeitdruck bergen darüber hinaus Gefahren in sich – denn Nichthandeln heißt nicht, dass nichts geschieht. Prozesse nicht zu forcieren kann ebenso bedeuten, dass unerwünschte Strukturen sich verfestigen und Handlungsoptionen entfallen. Tempo ist gut gegen Sklerose. Das auf unbestimmte Zeit verkündete Ziel, den Etat der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf 0,7 % des Bruttoinlandsprodukts anzuheben, wurde seit Jahren ohne spürbare Dynamik wiederholt; erst im Mai diesen Jahres unterzeichneten die Länder der EU eine Absichtserklärung, dieses Ziel bis 2015 zu erreichen. Die Millennium Development Goals sind ebenfalls mit einer klaren Frist bis 2015 ausgestattet. Im Zuge einer übertriebenen Machbarkeitsvorstellung in den Geberländern sind solche Fristsetzungen jedoch auch immer mit der Gefahr verbunden, eine übersteigerte Erwartungshaltung zu erzeugen und damit den zeitlichen Spielraum zu verringern, der bei einer unvorhergesehenen Veränderung der Rahmenbedingung nötig werden kann.

Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung führte die Notwendigkeit von langem Atem und Zeitdruck zusammen: Es braucht Langfristigkeit und Kontinuität, um verlässliche Netzwerke aufzubauen. Wenn sich überraschend ein kurzes Zeitfenster für Veränderung öffnet wie beispielsweise in der Ukraine im Herbst 2004, kann dieses genutzt werden.


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Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR


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