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Zeit-Fragen

2. Zeit und Mensch


Bei den Befragten gab es große Übereinstimmung, dass Veränderung und damit Entwicklung immer beim Menschen beginnt. Die Frage nach der Bedeutung des Faktors Zeit beginnt daher immer mit der Frage nach dem Rhythmus des Menschen. Zwei Positionen werden vertreten:

  • Erstens: Der Mensch tut sich von Natur aus schwer mit Wandel und Veränderungen. Er orientiert sich an vertrauten Kategorien und Prozessen, Neuerungen will er nach Möglichkeit vermeiden, wenn es sich irgendwie einrichten lässt. Der Mensch kann aber auch gar nicht schneller: Natürliche "Tempobeschränkungen" zeigen sich am Beispiel des Lernens: Dafür ist eine bestimmte Zeit nötig. Auch Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen.
  • Die zweite Position geht einen Schritt weiter: Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer von Misereor, stellt fest: »Langsam ist immer Ausdruck von etwas«. Die vermeintliche Langsamkeit des Partners darf nicht einfach als kulturell bedingte Mentalität und damit als unabänderlich angesehen werden, sondern ist Ausdruck einer – bewussten oder unterbewussten – Prioritätensetzung. Auch der Kasseler Ökonom Stefan Voigt wendet sich gegen den »Hammer der Mentalitäten«: »Es ist unsere Aufgabe, die Rationalität im Verhalten der Akteure zu suchen.« Der Umgang mit Zeit orientiert sich mit Rahmenbedingungen, an Institutionen und individuellen Lebenssituationen, deren Verständnis die Grundlage nachhaltiger Zusammenarbeit ist.

Konsequenz daraus ist, dass die Geschwindigkeit der Veränderung von den betroffenen Menschen selbst mitbestimmt werden muss. Sie müssen mit Herz und Kopf mitgenommen werden. Entscheidend für Veränderung ist der Leidensdruck in der Situation und der Konsens über die Notwendigkeit von Veränderung. Nur so kann Veränderung nachhaltig sein.


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Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR


Die Zeit
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